Verwendung von Pflanzenkohle im Baubereich.

Nachdem unser Projekt „Verwendung von Pflanzenkohle im Bau“ durch den Träger der Ems-Dollart Region (EDR) genehmigt worden ist, musste ein Projektpartner gefunden werden.
Die Förderrichtlinien sehen vor, diesen Partner auf der niederländischen Seite zu finden. Leider war das aus organisatorischen Gründen nicht möglich.
So konnte das bauphysikalische Institut der „Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim für eine Mitarbeit in diesem Projekt gewonnen werden.
Noch bis März dieses Jahres ist Zeit gegeben, unser Projekt mit Ergebnissen anzufüllen.

Im Rahmen des Projekts soll herausgefunden werden, ob eine Möglichkeit besteht, durch die Beimischung von Pflanzenkohle zu herkömmlichen Baustoffen neue Materialien für den Bau mit verbesserten Eigenschaften zu finden.
Der daraus resultierende Vorteil ist- neben diesen verbesserten Eigenschaften der Baustoffe- die wichtige Rolle, die der Pflanzenkohle dabei zuzuordnen ist.
Die Einsatzmaterialien für die Herstellung der Pflanzenkohle sind ausschließlich pflanzliche (Rest-) Stoffe. Strauchschnitt, Herbstlaub, Holz aus der Forstwirtschaft oder auch Fraktionen aus den Kompostierungen. Diese Materialien bilden die Grundlage für die Herstellung unserer Pflanzenkohle.
All dies sind Stoffe, die zum Teil im Überfluss vorhanden sind und deren Beseitigung einen wichtigen Beitrag zur Entlastung kommunaler Einrichtungen beitragen kann.
Bei der Vielfalt der in unserem täglichen Leben anfallenden und vorstehend aufgeführten Stofffraktionen ist bei all diesen Materialien eines gleich: Sie haben im Verlauf ihres Entstehens CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen. Für den Prozess der Photosynthese benötigen Pflanzen CO2 zur Bildung der Grünmasse. Dieses CO2 ist den Pflanzen aus der Atmosphäre zugänglich.
Werden diese pflanzlichen Stoffe wie bisher kompostiert oder verbrannt oder lässt man sie am Ort des Entstehens (z.B. in den Wäldern) verrotten, so wird durch die Verbrennung, Kompostierung oder Verrottung das einmal aufgenommene CO2 wieder freigesetzt – ein CO2 neutraler Prozess.
Mit der Carbonisierung dieser Stoffe wird organisches Material umgesetzt. Es entstehen auf diesem Weg Pflanzenkohle, sowie Kohlenwasserstoffe und ein brennbares Gasgemisch. Eine Bildung und Freisetzung von CO2 wird vermieden.
Dieser Kohlenstoff bildet das Ausgangsmaterial für den Einsatz in Baustoffen.
Wir forcieren somit die Herstellung neuer Baustoffe mit verbesserten Eigenschaften und wir schaffen einen Weg, um auf diese Art und Weise der Atmosphäre CO2 zu entziehen.
Setzt man eine konsequente Nutzung dieser Möglichkeit voraus, schafft man so eine urbane CO2-Senke!

Erste Auswertungen der bisher vorliegenden Ergebnisse haben jetzt, im Januar 2018, sehr positive und für die Fachwelt überraschende Ergebnisse geliefert.
Ein marktüblicher Innenputz wurde in unterschiedlichen Konzentrationen mit Pflanzenkohle versetzt, wobei der höchste Anteil an Pflanzenkohle in der Versuchsreihe 85 % betrug.
Nach Aushärtung und gesteuerter Trocknung der Versuchsformen im Klimaschrank, wurden verschiedene bauphysikalische Messdaten ermittelt.

Das Ergebnis dieser Versuchsreihen lieferte sehr überraschende Ergebnisse, die das Ziel, unter der Verwendung von Pflanzenkohle neue Baustoffe zu herzustellen, in unmittelbare Nähe gerückt haben.
Weitere Aufklärung bauspezifischer Grundlagen, sowie der Versuchsarbeit daran diese Mischungen in die Praxis zu übertragen, sollen im Rahmen einer Masterarbeit ermittelt werden. Nach Abschluss dieser Studienarbeit soll dann der Transfer dieser neuen Stoffe in die Industrie forciert werden.

Verschiedenste Unternehmen aus dem Bereich der Industrie haben bereits jetzt Interesse an derartigen Produkten und deren Verwendung bekundet.